Mercedes-Benz Group AG Jahresbericht 2025: Gewinneinbruch, Dividendenkürzung auf 3,50 € und strategischer Neustart Richtung Elektromobilität
Der Jahresbericht 2025 der Mercedes-Benz Group AG markiert einen Wendepunkt für den Stuttgarter Premiumhersteller. Wer sich die offiziellen Zahlen im Jahresbericht 2025 der Mercedes-Benz Group AG genauer anschaut, erkennt sofort: 2025 war kein gewöhnliches Geschäftsjahr. Der Umsatz sank auf rund 132,2 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch etwa 145,6 Milliarden Euro erzielt wurden. Auch das bereinigte EBIT ging deutlich zurück – von rund 13,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Gleichzeitig blieb die Netto-Liquidität mit rund 32 Milliarden Euro auf einem bemerkenswert hohen Niveau.
Diese Zahlen zeigen bereits im ersten Überblick zwei zentrale Botschaften: Einerseits steht Mercedes-Benz wirtschaftlich unter Druck, andererseits verfügt der Konzern weiterhin über eine sehr robuste finanzielle Basis. Wer die strategischen Hintergründe verstehen will, sollte zusätzlich einen Blick in die ausführliche Capital Market Presentation FY 2025 von Mercedes-Benz werfen, in der die langfristigen Zielsetzungen und Transformationsmaßnahmen erläutert werden.
In diesem Artikel analysiere ich die wichtigsten Aspekte des Jahresberichts 2025, ordne die Zahlen ein und bewerte, wie stabil, zukunftsfähig und strategisch klug Mercedes-Benz derzeit aufgestellt ist.
Ein schwieriges Marktumfeld prägt das Geschäftsjahr
Das Jahr 2025 war für die gesamte Automobilbranche herausfordernd – und Mercedes-Benz blieb davon nicht verschont. Besonders deutlich spürbar war der Absatzrückgang in China, einem der wichtigsten Märkte für Premiumfahrzeuge. Während China jahrelang als Wachstumsmotor diente, sorgt dort inzwischen ein intensiver Wettbewerb mit heimischen Elektrofahrzeug-Herstellern für sinkende Marktanteile westlicher Marken.
Hinzu kamen geopolitische Spannungen und neue Handelsbarrieren, insbesondere Zölle auf Fahrzeuge in bestimmten Märkten. Diese Maßnahmen belasteten nicht nur die Margen, sondern erschwerten auch die strategische Planung. Wechselkurseffekte taten ihr Übriges: Ein starker Euro gegenüber wichtigen Handelswährungen führte zu zusätzlichen Ergebniseinbußen.
Der Jahresbericht macht deutlich, dass Mercedes-Benz die externen Belastungen nicht vollständig kompensieren konnte. Dennoch ist bemerkenswert, dass der Konzern trotz dieser Widrigkeiten weiterhin profitabel blieb.
Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Detail
Ein Rückgang des Umsatzes um rund neun Prozent ist kein kleines Signal. Er zeigt, dass sowohl die Stückzahlen als auch der Produktmix unter Druck standen. Besonders im Pkw-Segment gingen die Auslieferungen spürbar zurück. Zwar setzte Mercedes-Benz weiterhin stark auf hochpreisige Modelle im Top-End-Segment, doch selbst dieses Premiumgeschäft konnte den allgemeinen Volumenrückgang nicht vollständig ausgleichen.
Das bereinigte EBIT von 8,2 Milliarden Euro klingt auf den ersten Blick immer noch solide. Doch im Vergleich zum Vorjahr wird deutlich, wie stark die Ertragskraft nachgelassen hat. Die operative Umsatzrendite im Cars-Segment sank entsprechend deutlich.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass Mercedes-Benz erhebliche Investitionen in Zukunftstechnologien tätigt. Forschung und Entwicklung bleiben auf hohem Niveau. Das drückt kurzfristig das Ergebnis, ist langfristig aber unverzichtbar.
Free Cash Flow und Liquidität als Stabilitätsanker
Ein besonders interessanter Punkt im Jahresbericht ist der Free Cash Flow des Industriegeschäfts. Mit rund 5,4 Milliarden Euro blieb er deutlich positiv – auch wenn er im Vergleich zu 2024 rückläufig war.
Noch wichtiger ist jedoch die Netto-Liquidität von rund 32 Milliarden Euro. Diese Zahl ist in Zeiten hoher Unsicherheit ein echter Sicherheitsanker. Sie bedeutet, dass Mercedes-Benz selbst bei anhaltendem Gegenwind ausreichend finanziellen Spielraum besitzt, um Investitionen zu tätigen, strategische Partnerschaften einzugehen oder kurzfristige Marktschwankungen abzufedern.
Für Investoren ist das ein entscheidender Faktor. Ein Unternehmen mit starker Liquidität kann langfristige Strategien konsequent verfolgen, ohne unter akutem Refinanzierungsdruck zu stehen.
Transformation hin zu Elektromobilität und Software
Ein zentraler Bestandteil des Jahresberichts 2025 ist die fortschreitende Transformation des Geschäftsmodells. Mercedes-Benz positioniert sich zunehmend als Technologie- und Softwareunternehmen mit automobilen Wurzeln.
Die Entwicklung der eigenen Softwareplattform MB.OS ist dabei ein Schlüsselelement. Ziel ist es, die digitale Architektur der Fahrzeuge stärker zu kontrollieren und zusätzliche Erlösquellen durch digitale Dienste zu erschließen. Over-the-Air-Updates, abonnementbasierte Funktionen und personalisierte Services spielen hier eine zentrale Rolle.
Gleichzeitig wird die Elektrifizierungsstrategie weiter vorangetrieben. Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge steigt, auch wenn die Nachfrage in bestimmten Märkten hinter den Erwartungen zurückblieb. Mercedes-Benz verfolgt weiterhin das Ziel, langfristig vollelektrisch zu werden – allerdings zunehmend mit einem realistischeren, marktorientierten Tempo.
Mercedes-Benz Cars: Premiumfokus unter Druck
Das Segment Mercedes-Benz Cars ist traditionell das Herzstück des Konzerns. Hier werden die Gewinne erwirtschaftet, die Investitionen in Zukunftstechnologien ermöglichen.
2025 zeigte jedoch, dass selbst das Premiumsegment nicht immun gegen Marktschwankungen ist. Der Absatz ging zurück, die Margen sanken. Besonders in China war der Wettbewerbsdruck spürbar. Lokale Anbieter punkten dort mit attraktiven Preisen und technologisch konkurrenzfähigen Elektrofahrzeugen.
Dennoch bleibt Mercedes-Benz im Luxussegment stark positioniert. Modelle der S-Klasse, des EQS oder der AMG-Reihe sichern weiterhin hohe Stückmargen. Die Strategie, verstärkt auf hochwertige und margenstarke Fahrzeuge zu setzen, bleibt grundsätzlich sinnvoll – auch wenn sie kurzfristig nicht alle Absatzverluste kompensieren konnte.
Vans-Segment mit solider Performance
Das Vans-Geschäft zeigte sich vergleichsweise robust. Trotz ebenfalls rückläufiger Stückzahlen blieb die EBIT-Marge im zweistelligen Bereich.
Besonders im gewerblichen Bereich profitieren Vans von einer stabilen Nachfrage. Elektrische Transporter gewinnen an Bedeutung, insbesondere im urbanen Lieferverkehr. Mercedes-Benz investiert gezielt in die Elektrifizierung dieses Segments, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Finanzdienstleistungen als unterschätzter Gewinnbringer
Oft übersehen, aber äußerst wichtig ist das Segment Mercedes-Benz Mobility. Die Finanzdienstleistungen des Konzerns generieren stabile Erträge und tragen zur Kundenbindung bei.
Im Jahr 2025 konnte dieses Segment die Eigenkapitalrendite sogar verbessern. Leasing- und Finanzierungsangebote bleiben ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind flexible Finanzierungsmodelle ein entscheidender Verkaufsfaktor.
Effizienzprogramme und Kostensenkungen
Der Jahresbericht zeigt deutlich, dass Mercedes-Benz auf die schwächere Profitabilität reagiert. Effizienzprogramme sollen Kosten senken und Strukturen verschlanken.
Produktionsprozesse werden optimiert, Plattformstrategien vereinheitlicht und Lieferketten neu bewertet. Ziel ist es, die operative Marge wieder zu steigern und gleichzeitig die Investitionen in Zukunftstechnologien nicht zu gefährden.
Solche Programme sind jedoch immer ein Balanceakt. Zu starke Kostensenkungen können Innovationskraft beeinträchtigen. Mercedes-Benz scheint sich dieser Gefahr bewusst zu sein und betont im Bericht, dass Effizienz nicht zulasten der Qualität gehen darf.
Dividendenpolitik und Aktionärsrendite
Trotz der rückläufigen Gewinne hält Mercedes-Benz an einer attraktiven Ausschüttungspolitik fest. Dividenden und Aktienrückkäufe bleiben Bestandteil der Kapitalstrategie.
Das ist ein Signal des Vertrauens: Das Management zeigt, dass es weiterhin an die langfristige Stärke des Unternehmens glaubt. Für Investoren bleibt die Aktie damit attraktiv – auch wenn kurzfristige Kursschwankungen nicht ausgeschlossen sind.
Wettbewerb und geopolitische Herausforderungen
Die Automobilindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Neben technologischen Veränderungen spielen geopolitische Entwicklungen eine immer größere Rolle. Handelskonflikte, Lieferkettenprobleme und politische Unsicherheiten beeinflussen die gesamte Branche.
Mercedes-Benz reagiert darauf mit einer stärkeren Regionalisierung der Produktion. Lokale Fertigung soll Risiken reduzieren und Handelsbarrieren umgehen. Diese Strategie ist langfristig sinnvoll, erhöht jedoch kurzfristig die Komplexität.
Ausblick auf 2026 und darüber hinaus
Der Jahresbericht 2025 enthält einen bewusst vorsichtigen Ausblick. Das Management erwartet weiterhin ein anspruchsvolles Marktumfeld. Absatz, Margen und geopolitische Rahmenbedingungen bleiben volatil. Gleichzeitig setzt Mercedes-Benz auf neue Modellanläufe, eine steigende Elektrifizierungsquote und konsequente Effizienzprogramme.
Besonders im Kompakt- und Mittelklassesegment sollen neue Plattformen ab 2026 für Stabilisierung sorgen. Parallel wird die Softwarearchitektur MB.OS weiter ausgerollt, um zusätzliche digitale Erlösquellen zu erschließen. Die Transformation ist klar definiert: weniger Volumen um jeden Preis – mehr Wertschöpfung pro Fahrzeug.
Die entscheidende Frage lautet weiterhin:
Gelingt es Mercedes-Benz, die Transformation in Richtung Elektromobilität und Software schneller und profitabler umzusetzen als die Konkurrenz?
Die solide Liquiditätsbasis von rund 32 Milliarden Euro spricht dafür, dass der Konzern die nötige Ausdauer besitzt. Dennoch bleibt der Wettbewerb – insbesondere aus China – eine ernstzunehmende Herausforderung.
Die Dividendenanpassung im April 2026 – ein klares Signal
Ein besonders wichtiger Punkt für Investoren ist die angekündigte Dividendenänderung. Für das Geschäftsjahr 2025 soll die Dividende im April 2026 auf 3,50 Euro je Aktie gesenkt werden.
Das ist eine deutliche Reduzierung im Vergleich zu den hohen Ausschüttungen der Vorjahre – insbesondere im Vergleich zu den außergewöhnlich starken Gewinnjahren 2022 und 2023.
Diese Entscheidung ist jedoch kein Zeichen finanzieller Schwäche, sondern Ausdruck strategischer Priorisierung.
Mercedes-Benz reagiert damit auf:
- den signifikanten Rückgang beim EBIT
- geringere Margen im Cars-Segment
- hohe Investitionen in Software, Elektrifizierung und Plattformen
- ein weiterhin unsicheres globales Umfeld
Die Senkung auf 3,50 Euro zeigt, dass die Ausschüttungspolitik künftig stärker an nachhaltiger Ertragskraft ausgerichtet wird – nicht an außergewöhnlichen Spitzenjahren.
Kurzfristig dürfte die Anpassung für einkommensorientierte Anleger enttäuschend sein. Langfristig stärkt sie jedoch die Kapitalstruktur. In einer Phase massiver technologischer Transformation ist es aus unternehmerischer Sicht sinnvoller, Liquidität im Unternehmen zu halten, statt sie vollständig auszuschütten.
Wichtig ist:
Selbst mit 3,50 Euro bleibt die Dividende im Branchenvergleich attraktiv. Gleichzeitig reduziert sich der Druck, hohe Ausschüttungen aus sinkenden Gewinnen finanzieren zu müssen.
Strategische Perspektive über 2026 hinaus
Die kommenden Jahre werden entscheidend. Mercedes-Benz steht nicht vor einer Krise, sondern vor einer strukturellen Neuaufstellung.
Drei Punkte werden maßgeblich sein:
Elektrifizierung mit wirtschaftlicher Vernunft
Nicht Geschwindigkeit allein entscheidet, sondern Profitabilität pro Fahrzeug.
Software als neues Wertschöpfungszentrum
MB.OS und digitale Services sollen wiederkehrende Erlöse ermöglichen.
Strukturelle Effizienz
Produktionsnetzwerke, Plattformen und Beschaffung müssen schlanker und flexibler werden.
Der Jahresbericht 2025 zeigt ein Unternehmen, das kurzfristig unter Druck steht – aber strategisch nicht orientierungslos ist.
Persönliche Einschätzung
Die Dividendensenkung auf 3,50 Euro im April 2026 ist aus meiner Sicht konsequent und realistisch.
Mercedes-Benz befindet sich in einer Phase, in der Investitionen wichtiger sind als Symbolpolitik. Wer langfristig denkt, erkennt darin keine Schwäche, sondern eine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen.
Der Konzern bleibt stark kapitalisiert, technologisch ambitioniert und markenstrategisch hervorragend positioniert. Doch 2026 wird kein einfaches Jahr – sondern ein Übergangsjahr.
Entscheidend wird sein, ob die Kombination aus Kostendisziplin, Produktinnovation und Softwarestrategie wieder zu steigenden Margen führt.
Mercedes-Benz hat die Substanz dafür.
Jetzt muss sie sich im Markt wieder beweisen.
